Liebe Tante Marianne,
die 86 Haselnusskränze, die Du für mich gebacken hast, waren alle ausgezeichnet - die meisten habe ich selbst verspeist. Wenn mein Bruder freundlich war, durfte er auch kosten.
Aber für das Viele, das Du mir gegeben hast, war der Nusskranz nur die "Zierde": Als ich noch ein junger Bursch war, quittiertest Du die unzähligen Streiche von Simon und mir rund um das Haus (drinnen wie draußen und zu jeder Tages- und Nacht-Zeit) mit deiner unerschöpflichen Toleranz und deiner vortrefflichen (neudeutsch sagen sie:) "Fehlerkultur";
Diese beinhaltete einer Freundlichkeit, die ich als Neffe nicht immer verdient hatte - wie ich im Nachhinein zugeben muss. Dein zuversichtliches Lächeln lies in mir sogar das "Alles-Wird-Wieder-Gut-Gefühl" aufsteigen, nachdem ich und Simon die Waschmittel-Tonne mit dem Staubsauger geleert hatten, bis der Staubsauger ins Stottern kam, weil der Beutel voll war. Das von Dir korrekterweise aufgetragene "Saugen" hatte eigentlich bereits dazu gedient, einen unserer vorigen Streiche ungeschehen zu machen - ich kann mich aber nicht erinnern, welcher das war..., aber sicher nichts Gescheites!
Du lebst durch dein Geben und deine unendlich positive Einstellung weiter: Meine Patenkinder kriegen auch einen Nusskranz - das ist das Einzige, was ich backen kann - Du hast mir ja das "Rezept" und deine Geheimtipps gegeben.
Auch „Rezept und Geheimtipps“ für ein erfülltes Leben und Geben waren mit verpackt, aber da musste ich erst noch ein bisschen älter werden, bis ich das kapierte.
Vielen Dank für alles und mach's gut da oben!
Dein Patenkind,
Florian